18 Mvp Arten

18 MVP-Arten für jede Entwicklungsstufe von der Idee zum fertigen Produkt

Ein neues Produkt zu entwickeln, eine innovative Geschäftsidee oder Dienstleistung zu starten, birgt Risiken. Schnell hat man viel Zeit und Geld in etwas versenkt, was am Ende keiner will.

Die beste Art dieses Risiko zu minimieren, ist es in mehreren Schritten mit dem MVP-Ansatz zu entwickeln. Von der ersten Idee bis zum finalen Produkt gibt es immer wieder großartige Möglichkeiten, die Idee und das Geschäftsmodell zu verifizieren, Nutzerfeedback einzuholen, zu verbessern und Early Adopters (eine frühe Nutzergruppe) zu generieren.

Wir haben 18 MVP-Arten zusammengetragen, die für unterschiedliche Produkte und Entwicklungsstadien verwendet werden können.

Was ist ein Minimal Viable Product?

Kurz zu Auffrischung: Minimal Viable Product (MVP) steht für das minimal funktionsfähigste oder lebensfähigste Produkt. Also ein Produkt, das erstellt wird, um Annahmen, Chancen und Risiken zu überprüfen.

Die Idee hinter einem MVP ist, die dadurch gewonnenen Informationen und das Feedback in die weitere Entwicklung des Produkts einfließen zu lassen. Hier gibt es mehr zur MVP-Definition und -Vorteilen.

In diesem Artikel werden wir die MVP-Unterschiede und deren Umsetzung durchleuchten und herausfinden, welche die beste Methode für Ihr Unternehmen ist.

Die zwei Haupt-Typen von MVPs und ihre Unterschiede

Grundsätzlich kann man zwei Typen oder Ansätze von Minimal Viable Products unterscheiden:

  • „Low-Fidelity-MVPs“ (Lo-Fi-MVPs)
  • Und „High-Fidelity-MVPs“ (Hi-Fi-MVPs)

Für beide gibt es eine Vielzahl an Spielarten, wie sie umgesetzt werden können. In diesem Artikel haben 18 davon zusammengetragen. Doch zunächst wollen wir klären wie sich die beiden Hauptarten unterscheiden, wofür sie verwendet werden sollten und welche Vor- und Nachteile sie jeweils bieten.

Was sind Low-Fidelity-MVPs?

"Lo-Fi-MVPs" sind einfache MVPs. Schnelle Konzepte, mit deren Hilfe man herausfinden kann, welche Probleme die Zielgruppe lösen möchte und wie groß das Interesse an einer StartUp-Idee tatsächlich ist.

Ziel des „Lo-Fi-MVPs“ ist es, den Markt, die Idee und das Geschäftsmodell zu testen, ohne viel Zeit und Geld (=Risiko) in die Entwicklung zu investieren. Dadurch erhält man wichtiges Feedback, noch bevor das eigentlich Produkt in die Entwicklung geht. Clever angestellt, kann man zudem erfahren, wie viel die Zielgruppe bereit ist zu zahlen und so auch das Business Model testen.

Die Vorteile eines „Lo-Fi-MVPs“:

  • Extrem niedrige Kosten.
  • Lässt sich schnell und ohne großen Aufwand erstellen.
  • Verschafft Klarheit über das bevorstehende Projekt.

Die Nachteile eines „Lo-Fi-MVPs“:

  • Erfordert viel Vorstellungskraft der Anwender, was das Ergebnis einschränken kann.
  • Die Interaktivität ist begrenzt, da es nicht möglich ist, dem Benutzer komplexe Vorgänge zu vermitteln.

Wann sollte man Low-Fidelity-MVPs einsetzen?

Lo-Fi-MVPs eigenen sich für die frühen Stadien einer Entwicklung. Sie dienen vor allem einem Zweck: Der Validierung einer Idee und dem potentiellen Interesse daran. Clever ausgerichtet kann man damit aber auch schon eine Liste mit Early Adopters aufbauen und sogar das Geschäfts-Modell bzw. die Monetarisierung testen.

Was sind High-Fidelity-MVPs?

Im Gegensatz dazu steht das High-Fidelity-MVP. Es ist komplexer und besteht aus einer Basisversion des Produkts. Dabei handelt es sich um ein Produkt, das zwar wie die finale Version aussieht und auch das Problem der Zielgruppe bereits löst, aber zunächst aufs absolut wesentliche reduziert ist und die Grundlage bildet, aus der später an das eigentliche Produkt entwickelt wird.

Ziel für diese Art von MVP ist es, anhand der Kernfunktionen des Produkts zu testen, ob Ihre Idee, vor allem aber Ihr Lösungsansatz, Potenzial hat oder nicht. Das Nutzer-Feedback können Sie für die Weiterentwicklung nutzen, um den Bedürfnissen der Zielgruppe optimal zu entsprechen. Gleichzeitig können Sie die besten Strategien für Marketing, Wachstum und Skalierung Ihres Unternehmens entwickeln und testen.

Die Vorteile eines „Hi-Fi-MVPs“:

  • Sie erhalten aussagekräftiges Feedback, weil die High-Fidelity-Prototypen dem Anwender bereits nutzbare Lösungen bieten.
  • Es vermittelt Kunden und möglichen Investoren eine genaue Vorstellung davon, wie das Produkt funktionieren und aussehen soll und welches Potential darin steckt.

Die Nachteile eines „Hi-Fi-MVPs“:

  • Die Erstellung ist aufwändiger - sowohl zeitlich als auch finanziell. Wenn man bereit ist einige Abstriche zu machen, kann man trotzdem zu einem gut kalkulierbaren Invest kommen. Mehr zu den Kosten eines MVP hier.

Wann sollte man High-Fidelity-MVPs einsetzen?

Ist eine Idee grundsätzlich validiert und man entscheidet sich, sie umzusetzen, ist der nächste Schritt ein Hi-Fi-MVP. Mit diesem wird die Idee für Interessenten greifbar, nutzbar und nützlich. Außerdem bildet man bereits die Grundlagen für das eigentlich Produkt und testet weitere Hypothesen, tatsächliches Nutzungsverhalten und iteriert die Idee mit echtem Feedback.

Schauen wir uns nun die Beispiele an, wie die zwei MVP-Grundtypen konkret umgesetzt werden können:

Verschiedene Arten von "Lo-Fi-MVPs"

  1. Papier-Prototypen

Die wohl schnellste und einfachste Art. Papier-Prototypen sind eine großartige Möglichkeit, um ohne technischen Aufwand eine Idee zu visualisieren, iterieren und erstes Feedback einzuholen. Ob das nun die initiale Entwicklung der Idee auf einer Serviette ist oder schon erste skizzierte UX-Mockups. Nirgends lassen sich Ideen so schnell "durchspülen" wie mit Stift und Papier.

  1. Mikro-Umfragen

Eine Umfrage ist eine weitere Möglichkeit, um eine Idee zu testen. Besonders wenn es schon einen bestehenden Kreis an Kunden oder potentiellen Nutzern gibt. Umfragen sind zuverlässig und können genau auf die spezifische Kundensituation ausgerichtet werden. Je kürzer die Umfrage, desto besser. Sie sollten nur ein bis zwei spezifische Fragen stellen. Damit erreichen sie eine höhere Antwortquote bei Ihrer Zielgruppe.

  1. Foren, Videos, Posts, Kommentare, Reviews, Google Trends, ...

Es gibt nichts, was im Internet noch nicht diskutiert wurde. Daher sind bestehende Beiträge ideal, um sich in die Zielgruppe hinein zu versetzen und eine Idee zu validieren und auszuarbeiten. Außerdem eignet sich diese Herangehensweise hervorragend, um die Sprache der Zielgruppe zu erkunden – unerlässlich fürs Marketing und Branding.

  1. Blogs

Das Gute an Blogs ist, dass man direkt mit den potenziellen Kunden kommunizieren kann. Ohne viel Aufwand bietet sich dabei die Möglichkeit, eine Beziehung zu den zukünftigen Kunden aufzubauen. Ideal ist es natürlich, wenn man bereits einen gut besuchten Blog hat. Aber auch ein neuer Blog ist schnell eingerichtet. Zu Beginn müssen Sie herausfinden, wie Sie Besucher auf Ihren Blog leiten können. Was etwas Arbeit bedeutet. Dafür lernt man schon früh über die besten Kanäle für die spätere Vermarktung und das potentielle Interesse an einem Produkt. Eine weitere Alternative um eine frühe Reichweite aufzubauen ist das Erstellen einer Email-Liste.

  1. Kundeninterviews

Kundeninterviews sind eine der gängigsten Methoden, um eine Geschäftsidee zu validieren. Sie sind deutlich detaillierter und umfangreicher als die Mikro-Umfragen. Man sollte die Fragen so wählen, dass man Feedback zum Produkt selbst, zum Preis, zu Werbemöglichkeiten und zum Kaufverhalten bekommt. Hören Sie der Zielgruppe genau zu, um deren Probleme und Verhalten genau zu verstehen und ihnen eine passende Lösung anbieten zu können.

  1. Aufbau einer Community

Eine weitere, sehr effektive Art Feedback zu bekommen und Interesse und Nachfrage zu validieren, ist der Aufbau (oder die Nutzung einer bestehenden) Community.
Beispiele dafür sind thematisch relevante Facebook- oder LinkedIn-Gruppen, Newsletter oder ein Forum. Wenn Sie gute Ergebnisse erzielen und sich im nächsten Schritt dazu entschließen, ein High-Fidelity-MVP zu bauen, haben Sie zudem bereits Zugriff auf erste Nutzer.

  1. Das "Fake Door"-MVP

Mit dieser Art von MVP verleitet man Interessenten dazu, sich für Produkte oder Dienstleistungen anzumelden oder diese zu kaufen, obwohl es sie eigentlich (noch) nicht gibt.

Ganz einfach ist dies über eine Landing Page mit einem Call-to-Action-Button (wie "Jetzt kaufen") zu lösen. Wenn der Besucher nun darauf klickt, wird er einfach zu einer "Coming Soon" Seite weiter geleitet. Idealerweise kann er sich hier außerdem für einen Newsletter anmelden um "als erster zu erfahren, wenn das Produkt live ist".

Entscheidend ist, dass Sie auf diese Weise feststellen können, wie viele Leute versuchen, darauf zuzugreifen und wie groß das Interesse ist. Das "Fake Door"-MVP eignet sich besonders für reale Produkte, auch in Verbindung mit Anzeigen-Kampagnen, wenn man noch keine Reichweite für das Thema besitzt.

  1. Erklärungsvideo

Erklärvideos sind kurze, prägnante Videos, die das Produkt oder die Dienstleistung kurz und knackig beschreiben. Das kann ein einfaches 90-sekündiges Video mit Animation sein. Auch hierbei kann man herausfinden, wie viele Menschen sich für Ihre Idee interessieren und welches Potential in ihr steckt.

Eines der bekanntesten Startups, das sein MVP mit Erklärvideos validiert hat, ist übrigens Dropbox. Mehr dazu hier.

  1. Landing Page

Landing Pages sind Seiten, auf die Besucher gelangen, nachdem sie auf einen Link geklickt haben. Beispielsweise in einer Werbeanzeige, einer E-Mail, einem Blogartikel oder einem Social-Media-Post.

Eine effektive MVP-Landing Page enthält die wichtigsten Vorzüge und eine Abbildung oder Zeichnung des Produkts. Die Interessenten werden aufgefordert, bei Interesse ihre E-Mail-Adresse einzutragen.

Mit Tools wie Google Analytics, etc. kann man die Konversionsrate überwachen. Je höher diese ist, desto mehr Interesse besteht. Zudem generiert man auch hierdurch eine Liste mit interessierten Early Adoptern und Testern für das Produkt.

  1. Split-Tests

Wirken Wunder in Verbindung mit den anderen Lo-Fi-Typen: Sie erstellen zwei oder mehrere Versionen Ihres Lo-Fi-MVPs und überprüfen, welche effektiver ist. Auch Änderungen an Produktdesign, Preis oder Funnel können mit einem Split-Test gemessen werden. Mithilfe von Analysetools wie Google Analytics oder Unbounce können Sie Informationen über die Interaktion der Benutzer gewinnen. So werden bereits in einem sehr frühen Stadium Features, Branding und Marketing getestet.

  1. Anzeigenkampagnen

Auf Plattformen wie Facebook und Google können Sie demografische Merkmale Ihrer Zielgruppe herausfinden. Sie erhalten wertvolle Informationen über Geschlecht, Alter und Interessen. Auch hier können Sie Split-Tests anwenden.

Kampagnen funktionieren außerdem hervorragend in Verbindung mit Landing Pages und Fake Doors. Neben dem Interesse kann hier – wo es Sinn ergibt – auch gleich Werbebudgets und Rendite getestet werden. Dies ist besonders interessant für den Bereich eCommerce.

High-Fidelity-MVPs

  1. Crowdfunding

Crowdfunding bedeutet, Geld von Kunden und Interessenten einzusammeln, bevor das Produkt überhaupt existiert. Damit überwindet man zwei Hürden auf einmal: Man kann das Interesse am Produkt testen und bei entsprechender Nachfrage die Einnahmen in die Entwicklung und Produktion stecken.

Da die Kunden ihr Geld investieren sollen, noch bevor das Produkt erstellt ist, muss die Produktpräsentation sehr ansprechend sein. Außerdem kann man auf diesem Wege eine Fangemeinde von „Early Adoptern“ aufbauen, die die Produktidee im Netz teilen. Der Ansatz eignet sich besonders für reale, nischige Produkte.

  1. Digitale Prototypen

Die beliebteste Art, Hi-Fi-MVPs zu erstellen, sind digitale Prototypen. Mockups, Wireframes und Applikationen können verwendet werden, um die Funktionalität des Produkts so darzustellen, dass eine reale Erfahrung simuliert wird. Prototypen können kompliziertere interaktive Anwendungen sein, mit denen Beta-Benutzer interagieren und das Gefühl haben, ein reales Produkt (App, Plattform, Website) zu benutzen.

Mit der breiten Palette an spezialisierter Software können Designer visuell beeindruckende Prototypen mit interaktiven Effekten und nahtlosen Animationen erstellen. Zur Erstellung können Sie ein Digital-Prototyping-Tool wie Adobe XD verwenden. Da man diese Prototypen für die meisten Entwicklungen und kompliziertere MVPs ohnehin braucht kann das sehr gut als Übergang von einem Lo-Fi zu einem gecodeten Hi-Fi-MVP genutzt werden.

  1. Physische 3D-Modelle

Ein physisches 3D-Modell ist zwar teurer als ein Papierprototyp, aber es wirkt eindrucksvoller und professioneller. Diese MVP-Art sollten man in Betracht ziehen, wenn man ein physisches Produkt entwickelt.

  1. "Zauberer von Oz“-MVP

Ein guter Zauberer blendet sein Publikum, lenkt ab von dem was hinter den Kulissen läuft um den großen Aha-Effekt zu erzielen. Wir verwenden hier einen ähnlichen Trick, um den Kunden glauben zu lassen, dass das MVP alle gewünschten Funktionen hat. Es hat den Anschein, als würden sie ein echtes Produkt benutzen, aber die ganze Hintergrundarbeit wird von Ihnen oder Ihrem Team manuell erledigt.

Das ist einer der besten MVP-Typen, der die Illusion eines voll funktionsfähigen Produktes erzeugt, während es in Wirklichkeit auf Arbeitskraft angewiesen ist. Es erfordert mehr Zeit und Aufwand, aber es ist eine sehr effektive Methode, um festzustellen, ob Sie ein existenzfähiges Produkt oder Dienstleistung haben, bevor Sie es produzieren. Es hilft außerdem dabei, Prozesse wirklich gut zu kennen bevor man sie automatisiert was eine effizientere Entwicklung ermöglicht.

  1. "Concierge"-MVP

Das Concierge-MVP ähnelt dem "Zauberer von Oz" – allerdings weiß der Kunde, dass es sich um einen manuellen Prozess handelt, der im Hintergrund abläuft.

Anstatt sich auf die Erstellung einer (perfekten) automatisierten technischen Lösung zu konzentrieren, werden die Kundenaufträge manuell bearbeitet. Sie wird in der Regel als individualisierter Service an ausgewählten Kunden getestet.

  1. Das „Piecemeal“-MVP

„Piecemeal“ bedeutet soviel wie Stückchenweise. Anstatt manuell im Hintergrund zu arbeiten, oder eine eigene Lösung zu entwickeln, werden die Prozesse über bestehende Tools und Komponenten gelöst. Mithilfe der vorhandenen Technologie und Infrastruktur sparen Sie Zeit und Geld. Hilfsmittel hierfür sind z.Bsp. Zapier, IFTTT sowie Notion und CRM-Tools.

  1. v1.0 – das wahre MVP

Das eigentliche, vollwertige MVP ist aber die erste wahre Version, die v1.0, eines Produktes – besonders wenn es sich dabei um Software oder Apps handelt. Die v1.0 sollte unbedingt den Kern des Problems, den größten USP bereits umsetzen und erkennen lassen, was in Zukunft alles möglich sein wird.

Die Kunst dabei ist, die Spreu vom Weizen zu trennen und sich auf ein sehr reduziertes Feature-Set zu beschränken. Manchmal kann es sogar sinnvoll sein, nur eine einzige, wesentliche Funktion des Produkts zu testen. Zum Beispiel kann der Kern einer Software-Lösung zum Testen bereitgestellt werden, ohne das dafür Nutzer-Accounts etc. erstellt werden.

Dadurch verhindert man, dass Nutzer durch andere Features (und potentielle Bugs) abgelenkt werden. Außerdem verhindert es, der Versuchung nachzugeben und Features zu entwickeln, die möglicherweise niemand braucht.

Fazit zu den MVP Unterschieden

Mit einem MVP kann man Hypothesen testen und das Basiskonzept, eine Idee, Schritt-für-Schritt in ein vollwertiges Produkt verwandeln. Der Sinn dahinter ist, mit minimalem Aufwand maximale Erfolge zu erzielen.

Wichtig ist natürlich, die passende Art des MVPs für das Produkt und den aktuellen Entwicklungsschritt zu wählen. Wir helfen gerne dabei!

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