Mvp Mindset

Erfolgreiche Produkte bauen mit dem MVP-Mindset

Was haben weltberühmte Unternehmen wie Airbnb, Facebook, Uber und Dropbox gemeinsam? Wie wir bereits an anderer Stelle gezeigt haben, haben sie alle mit einem MVP angefangen. Doch was steckt eigentlich hinter einem erfolgreichen MVP? Es kommt nicht nur auf die Ausführung an, sondern auch auf die Mentalität dahinter, oder genauer gesagt: das Mindset. Das richtige Mindset steht meistens am Anfang des Erfolges.

Sowohl MVP als auch Mindset sind ja beliebte Buzzwords zurzeit. Wie hängen sie zusammen? Ein MVP ist nur ein Tool auf dem Weg zu einem erfolgreichen Produkt. Ob man am Ende wirklich Erfolg hat, hängt auch davon ab, ob man das dahinterstehende Mindset versteht und lebt: das MVP-Mindset. Es begleitet den gesamten Prozess von der ersten Geschäftsidee bis zum Product Market Fit. Das MVP-Mindset unterscheidet sich von der klassischen Herangehensweise, ein neues Produkt zu bauen. Welche Unterschiede das sind und welche Grundsätze ein MVP-Mindset ausmachen, zeigen wir in diesem Artikel.

Die Grundsätze des MVP-Mindsets

1. Zuerst an Kunden und Nutzer denken!

Mit einem MVP-Mindest denkt man jede Produktidee immer von den AnwenderInnen aus. Am Anfang stehen die Fragen „Wer?“ (Wer ist die Zielgruppe?) und „Warum?“ (Welches Problem soll gelöst werden?). Darüber kommt man dann zum „Was?“ (Welche Lösung dafür wird angeboten?) und zum „Wann?“ (Wie sieht der Zeitplan aus?).

Idealerweise sollte man die pains und gains seiner Zielgruppe so gut verstehen, dass man sie in einem einzigen Satz aus der Sicht der AnwenderInnen zusammenfassen könnte. Dieser könnte beispielsweise so lauten:

Als Hobby-Landschaftsfotograf (Wer?) möchte ich nicht immer die ganze schwere Ausrüstung mitschleppen (Warum?) und möchte daher eine genaue Übersicht, welche Ausrüstung ich aufgrund des aktuellen Wetters und der Location heute mitnehmen muss. (Was?)

Ein MVP-Mindset zu haben, bedeutet, seiner Zielgruppe genau zuzuhören und nicht unbegründete Annahmen über deren pain points zu treffen, die sich später als teurer Fehler erweisen können. Oder anders gesagt: Ein Unternehmen mit einem MVP-Mindset bringt das auf den Markt, was die Zielgruppe wirklich will, nicht das, was es selbst gerade besonders chic findet oder von dem es nur glaubt, dass die KundInnen es chic finden.

2. Perfektionismus ablegen!

Mit einem MVP-Mindset verabschiedet man sich von seinem Perfektionismus. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: „Das Bessere ist der Feind des Guten.“ Ein MVP muss nicht perfekt sein, aber es muss gut genug für die Zielgruppe sein. Das heißt, man sollte sich auf die wesentlichen Grundfunktionen beschränken. Dazu gehört auch, sich nicht zu stark emotional an das Produkt oder besonders ausgefallene Features zu binden. Um den Perfektionismus zu überwinden, kann es helfen, sich zu verdeutlichen: Das MVP ist nicht das Endprodukt, sondern nur der Anfang der Reise zum Endprodukt.

Bei der Erstellung eines MVP geht es nicht darum, ein rundum perfektes Produkt zu erstellen. Es geht darum, Risiken zu minimieren, während man sukzessive bessere Ergebnisse erzielt und wertvolles Feedback bekommt.

Ein unperfektes Produkt, das auf den Markt kommt, schlägt ein perfektes Produkt, das nur in den Köpfen seiner ErfinderInnen lebt, um Längen – „Execution beats perfection“. Wo ein Unternehmen mit Perfektionismus denkt: „Wir sind noch nicht so weit“, denkt ein Unternehmen mit MVP-Mindset: „Better done (and learned something) than perfect.“

3. Keine Angst vor Fehlern haben!

Mit einem MVP-Mindset versucht man nicht, jeden Fehler zu vermeiden, sondern sieht Fehler als Chance und wertvolles Feedback. Hier sollte man nach dem Motto vorgehen: „Fail fast, fail often, fail better!“ Man könnte sogar sagen: Je eher man scheitert, desto eher kann man etwas lernen und sein Produkt verbessern. Ziel ist es jedoch nicht, ein Produkt so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen, sondern vielmehr, so schnell wie möglich Feedback zu bekommen und Verbesserungen zu implementieren.

Mit einem MVP-Mindset zu agieren, bedeutet, ein Trial-Error-Verfahren anzuwenden. Wir halten es da gern mit einem alten japanisches Sprichwort: „Siebenmal hinfallen, achtmal aufstehen.“ Also: keine Angst vorm Scheitern!

4. Neugierig sein und Lernbereitschaft zeigen!

Mit einem MVP-Mindset geht man offen und neugierig an sein Unternehmen. Eine gute Basis dafür ist, zunächst einmal davon auszugehen, dass man nichts weiß. Stattdessen sollte man offen sein, von den KundInnen zu lernen. Hier sollte man sich flexibel zeigen und bereit sein, ursprüngliche Annahmen zu verwerfen, wenn sie sich als falsch erweisen.

Mit einem MVP-Mindset gibt man verschiedenen Optionen eine Chance und probiert unbedingt auch neue Ideen und unbekannte Wege aus – nach dem Motto „Think out of the box!“. Gerade bei der Erstellung des MVP bieten sich oft clevere und unkonventionelle Lösungen an, um sein Produkt noch schlanker und smarter auf den Markt zu bringen.

5. Erst verkaufen, dann erstellen!

Mit einem MVP-Mindset dreht man den konventionellen Prozess der Produkterstellung um. Dabei geht es vor allem darum, die Idee vor dem Erstellen zu validieren. Das beste, fertige Produkt, in dem unzählige Stunden und Euros stecken, nützt nichts, wenn es am Ende niemand kaufen will.

Unternehmen mit einem ausgeprägten MVP-Mindset verabschieden sich daher vom traditionellen Grundsatz „Build and they will come“. Stattdessen gehen sie bei der Erstellung eines neuen Produkts in folgender Reihenfolge vor: erst die Vermarktung, um das tatsächliche Interesse an der Idee zu testen, dann die Entwicklung eines MVPs, um die Lösung zu verifizieren, und anschließend die iterative Weiterentwicklung bis zum fertigen Produkt.

6. In Zyklen denken!

Mit einem MVP-Mindset sieht man die Produkterstellung nicht als einen linearen Prozess mit Anfang und Ende, sondern als einen Zyklus. Dieser Zyklus besteht aus den Teilen: Bauen → Evaluieren → Wiederholen. Zuerst erstellt man ein MVP und bringt es heraus, um Feedback von echten NutzerInnen zu sammeln. Anschließend bewertet man das Feedback. Auf dieser Grundlage verbessert man das Produkt. Somit entwickelt sich das Produkt stetig weiter.

7. In Produkten denken, nicht in Projekten!

Mit einem MVP-Mindset denkt man in Produkten, nicht in Projekten. Was bedeutet das? Es ist heutzutage sehr üblich, alles als Projekt zu planen. Projekte sind zeitlich begrenzt, haben eine klare Deadline und ein klares Ziel. Der Fokus liegt auf dem gewünschten Output, der vor Projektbeginn genau definiert wird. Auch wenn diese Vorgehensweise in bestimmten Situationen sinnvoll sein kann, gibt es eine smarte Alternative: das Produkt-Mindset.

Im Gegensatz zum projektbasierten Denken dreht sich beim produktbasierten Denken alles um den Outcome. Auch sonst passt die Denkweise in Produkten besser zum MVP-Mindset: Die Vorgehensweise ist iterativ. Das Ziel ist nicht starr, sondern kann immer wieder anhand des Feedbacks verfeinert werden. So findet eine ständige Verbesserung statt. Intuition, Testen und Lernen spielen eine große Rolle.

8. Große Aufgaben in kleine Teilschritte herunterbrechen!

Mit einem MVP-Mindset geht man in möglichst kleinen Teilschritten vor. Denn dadurch bricht man auch das Risiko in kleine Teile und kann schneller auf Fehler und Fehleinschätzungen reagieren. Je kleiner die Schritte sind, desto weniger wird man von Fehlern zurückgeworfen. Wenn etwas schiefgeht, kehrt man einfach einen kleinen Schritt zurück und versucht es noch einmal. Je weniger Ressourcen man auf dem Weg dahin verbraucht hat, umso besser. So kann man mit einem MVP-Mindset wertvolle Ressourcen, Zeit und Geld sparen.

Dann gibt es noch einen psychologischen Effekt: Große Aufgaben wirken weitaus weniger einschüchternd, wenn man sie in kleine Babyschritte aufteilt. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Motivation aus, sondern ist als Vorgehen auch transparent und leicht verständlich. Alle Beteiligten wissen immer genau, welcher Schritt der nächste ist.

Fazit

Wenn man an erfolgreiche Unternehmen wie Amazon, Airbnb oder Facebook denkt, ist man leicht verführt, „Think Big!“ zur Maxime zu machen. Doch das ist zu kurz gedacht. Denn wenn man sich von einem MVP-Mindset inspirieren und leiten lässt, sollte es stattdessen lauten: „Think big for the long term, but small for the short term!“

Um ein MVP-Mindset anzunehmen, benötigt man keine speziellen Tools oder Ressourcen –stattdessen aber eine gute Portion Selbstbewusstsein und Geduld.

Für uns ist das MVP Mindset der „Path of least risk“, um ein neues digitales Produkt zu bauen. Doch das MVP-Mindset hat nicht nur den Vorteil der Risikominimierung, es führt auch zu besseren Resultaten und ist durch einen schlanken Prozess zudem meist schneller als konventionelle Herangehensweisen.

Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben

Wir schreiben über: Digitale Transformation, coole Sachen entwickeln, Coden, life & uns.
Sie haben eine kühne Idee, ein unlösbares Problem oder anspruchsvolles Projekt?
Gemeinsam digital durchstarten