Smart Home

Ja, ich habe einen smarten boiler

So ganz landläufig darf ich mich wohl als "digital native" bezeichnen. Die Tage pro Jahr, an denen ich kein Smartphone und Laptop unter den Fingern habe, kann ich an einer Hand abzählen. Ich liebe Gadgets und – Spoiler alert: Ich bin Nerd.

Per Kommandozeile einen neuen Server aufzusetzen nur, um ein neues Framework zu testen, löst bei mir die gleichen Emotionen aus wie bei anderen die Lieferung des langersehnten und live-verfolgten Päckchens von Amazon.

Eine neues Raspberry Pi Projekt, einen Computer aus einzelnen Komponenten zusammenstellen, den kaputten Bildschirm vom iPhone tauschen oder eine Playstation zu einem High End CD-Player umlöten. Alles Lieblingsprojekte von mir.

Und trotzdem tue ich mir mit einem Bereich der Digitalen Transformation immer (noch) schwer: dem Internet of Things und Home-Automation Bereich. Einzige mein smarter Boiler ist nützlich für mich. Warum eigentlich?

Warum IoT für mich noch nicht so ganz funktioniert

Kaum wirklich nützliche Usecases

Dieses Problem bezieht sich vor allem auf Raspberry PT Projekte. Gilt aber auch für viele andere Smart Gadgets: Was habe ich davon?

Ich wollte schon ewig irgendwas Cooles für Zuhause mit einem Raspberry machen. Seit circa drei Jahren wandert der Raspberry Pi immer wieder in meinen Amazon Einkaufskorb - und dann doch wieder raus. Warum? Auch wenn ich Anwendungen wie den RetroPi, das Home Media Center oder einen eigenen NAS oder OwnCloud super cool finde - wirklich brauchen tue ich nichts davon. Das Basteln der einzelnen Teile würde mir zwar Spaß machen, aber würde ich's wirklich nutzen? Eher nicht. Der Apple TV ist bequem, und das Umziehen von iCloud, Dropbox und Google Drive auf einen, dann doch nicht sooo sicheren Cloudservice mit zu vielen "Kosten" verbunden.

Schlechte Usability

Manchmal finde ich es überraschend wie veraltet und schlecht Apps und Funktionalitäten für Smart Appliances sein können. Ein paar Beispiele was mir schon untergekommen ist: die smarte Steckdose verbindet sich nur im 2,4 GHz Wi-Fi nicht im 5GHz, eine App findet das zugehörige Produkt erst gar nicht, der Login Workflow für den User Account wirkt wie Ebay `98 oder man muss eine zusätzliches, externes WiFi-Modul kaufen, damit das Smart Produkt dann auch tatsächlich remote bedienbar ist. What?

Das ist alles viel zu umständlich und für einen nicht ganz Technik-affinen Nutzer mit deutlich zu vielen Hürden versehen. Technik muss einfach und für jeden DAU funktionieren, um breite Akzeptanz zu erfahren. Viel zu viele Produkte scheinen nur "smart" zu sein um entweder deutlich mehr Geld fürs Produkt verlangen zu können oder um eben auch "dabei" zu sein. Beide Gründe sind super kontraproduktiv, denn natürlich darf es eigentlich nur um eines gehen: den Kundenbedarf besser zu bedienen.

Bin ich bereit für eine smarte Lösung mehr Geld zu bezahlen? Ja, absolut, wenn ich einen Nutzen darin sehe. Aber halt vielleicht so 10-20 %. Und dafür erwarte ich dann auch eine durchdachte, funktionierende Lösung, die das tut was sie anpreist – ohne zusätzliche Komplikationen.

Added complexity statt added convenience

Dieser Punkt baut auf dem vorhergehenden auf: oftmals habe ich das Gefühl, dass smarte Lösungen mein Leben eher komplizierter als einfacher machen. Besonders dann, wenn eben die Usability unterirdisch ist. Ein Beispiel ist der eigene NAS - warum selbst einen basteln, verwalten und updaten, wenn man in nicht auch einfach einen fertig kaufen oder eine Cloud Lösung nutzen kann? Das aufsetzten, macht ja noch Spaß - aber Updates verwalten usw.? Nicht so wirklich.

Schlimm ist außerdem, wenn alle Appliances eine eigene App haben wollen und damit mein Handy zumüllen. Ich habe aktuell 4 Apps auf meinem Handy: Apple Home, Smart Boiler, Smart Lock und Smart Heating. Muss das wirklich sein? Ist das wirklich bequemer als einfach einen Schalter umzulegen? Besonders dann, wenn auch noch Verbindungs-Probleme hinzukommen...

Fazit

So wirklich zufrieden bin ich bislang noch mit keinem meiner smarten Produkte. Das einzige, was ich OK finde, ist der Boiler. Über die App kann ich zum Beispiel (leider nicht so wirklich bequem) einen Zeitplan fürs Heizen erstellen. So kann ich Regeln, dass ich morgens und abends jeweils genug Wasser zum Duschen habe. Unterm Tag und nachts reicht hingegen eine Mindermenge für die Waschbecken.

Theoretisch würde der Boiler auch einen eigenen optimalen und energiesparenden Zeitplan erstellen können - allerdings sehe ich nicht genug Regelmäßigkeit in unserem Alltag, die hier zu einem sinnvollen Ergebnis des Algorithmus führen könnte. Lieber heize ich ihn per Booster manuell auf ganze Leistung, wenn ich von der Skipiste komme.

Smart Home Appliances und das Internet of Things hat hohes Potenzial das Leben bequemer und Produkte besser zu machen. Allerdings sollte man bei der Kreation auf einiges achten: Allen voran, dass ein Kundennutzen wirklich bedient wird. Und zwar ohne in einen komplizierteren Prozess zu enden, weil Dinge nur halb durchdacht und funktional sind.

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